Alessandros große Kunst

Schlicht „Malerei von Marogna“ war die Vernissage am gestrigen 9. Juni im Oranienwerk angekündigt. Darüber ein altes Schwarz-Weiß-Foto einer Fußballmannschaft. Drei Männer stechen hervor. „Fritze, Keule und ich“. Handkoloriert in rot, blau und gelb. Neugieriger auf Kunst kann man kaum machen. Alessandro Marogna kreiert am liebsten meterhohe und -breite Gemälde, deren Transporte von A nach B schon Abenteuer sind.

Ein Mann langer Reden ist der Künstler nicht. Beim Malen lässt er sich ungern stören. Durch sein Atelierfenster lugen? So gut wie unmöglich. Fotos von ihm? Glückssache. Und doch oder gerade deshalb hat er es geschafft, dass so gut wie alle im Oranienwerk ansässigen Kreativen sowie zahlreiche Kunstfreunde aus der Region seine erste Ausstellung im Kesselhaus mit ihm feiern. Er freut sich wie ein Kind, dass es ihm gelungen ist, „Kenner und Entdecker, Künstler und Nichtkünstler, Schweinefresser und Vegetarier, Deutsche, Italiener, Briten, Spanier und Letten zu versammeln“.

Diese Vernissage ist anders. Keine Vita im Glasrahmen, kein Katalog, keine Laudatio. Dafür riesige Gemälde, an deckenhohen Rohren hängende Skizzen in ungewöhnlichen Formen, ein Sammelsurium an Kleinkunst, aufgereiht wie in einem Antiquitätengeschäft. Installationen, auf denen man sich niederlassen kann und soll. Alles entstanden in den letzten drei Jahren. Gäste, die an Biertischen gemeinsam essen und trinken. Dann sphärische Musik von Gisbert Schürig, Vincenz Kokot und einem „special guest“, dessen Identität nicht mehr verraten soll, als dass er ein Meister am Schlagzeug ist.

Installation von Alessandro Marogna

Und Fritze und Keule? Die ahnen von dem Treiben gar nichts. Wer etwas erfahren will, muss fragen. Alessandro Marogna hat seine aktuelle Ausstellung seinen früheren Fußballkumpels aus Germendorf gewidmet. „Vielleicht ein bisschen nostalgisch“, sinniert er. An alte, gute Zeiten will er erinnern. Weil er im Oranienwerk und in seinem Atelier eine solche erlebt. Hier entstanden riesige Gemälde wie „Pachtland“ oder „Nichts als die Liebe“. Jedes in einem anderen Stil, in konträren Farben. „Wie von verschiedenen Künstlern“, sagt der Maler. Nicht jedem seiner Werke gibt er Titel. Erklären will sie der langjährige Dolmetscher nicht. Er sagt: „Kunst muss ein Weg zum Leben sein, nicht umgekehrt.“

Wer ihn ein bisschen kennt, ahnt, wie viel Selbsterkenntnis in diesen Worten liegt. Über sich selbst spricht er selten. Er hört aufmerksam zu. Wenn die Deutschen über das Wetter oder ihr ach so furchtbares Schicksal jammern, lässt er sie ausreden und fragt verschmitzt: „Und worüber hast du dich in dieser Woche gefreut?“ Das ist typisch für den Italiener, der sich oft nach seiner Heimat sehnt.

Seine Ausstellung kann bis zum 27. Juni 2017 in der Kesselhaus-Galerie (Oranienwerk, Kremmener Straße 43, 16515 Oranienburg) besichtigt werden. Ist Alessandro Marogna nicht persönlich anwesend, darf man ihn anrufen. „Wenn es möglich ist, komme ich sofort“, verspricht er. Zu kaufen sind seine Werke natürlich auch. Und: „Bei Tageslicht wirken die Gemälde am intensivsten.“

Fotos: ©Dagmar Möbius

Titel: Alessandro Marogna im Gespräch mit einer Kunstfreundin. Im Hintergrund das Triptychon „Pachtland“.

Ein Gedanke zu „Alessandros große Kunst

  1. Liebe Dagmar, danke für deinen netten Artikel. Ich sehe mich aber nicht als Italiener und auch nicht als Deutscher, aber das ist egal. Ich würde gerne eine Art Interview zur Finissage machen, weiß noch nicht an welchem Tag, 25, 26 oder 27. Juni. Da gibt es einige die Fragen haben, die konnten wir bei der Eröffnung nicht besprechen. Übrigens, die Ausstellung wurde auch auf Artsy gepostet, der link ist http://www.artsy.net/show/berlin-blue-art-alessandro-marogna-solo .
    Bis bald + alles Gute
    Alessandro

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