Heute erschien meine erste größere Reportage für die OAZ in der Printauflage. Dafür war ich auf dem Fichtelberg und im benachbarten Tschechien. Ich konnte mit Einheimischen und Engagierten sprechen, habe Absagen kassiert und mich durch Dutzende Parlamentsdokumente gearbeitet. Mir war vorher nicht klar, wie präsent Klimaaspekte auch im Erzgebirge sind. Immer weniger Schnee ist nicht das einzige Problem für „Ostdeutschlands Schicksalsberg“ in Oberwiesenthal.
Simulierter touristischer Alltag
Der Beitrag in der gedruckten Wochenendausgabe ist einer von mehreren, die sich mit dem Thema Tourismus in Ostdeutschland beschäftigen. Als jemand, der relativ häufig durchs Berichtsgebiet reist, erfuhr auch ich Neues und Spannendes über Urlaubsregionen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, abseits von Hochglanzprospekten. Wie wichtig das Vor-Ort-Sein und ergebnisoffene Eintauchen in den simulierten touristischen Alltag ist, merkte ich, als eine harmlose Hotelübernachtung zu einer Investigativrecherche einlud, ich auf der Rückfahrt fünf Stunden in einer Vollsperrung auf der A13 ausharren musste, anschließend auf Landstraßenschleichwegen in eine Polizeikontrolle geriet („Der Wagen ist nicht gestohlen. Gute Weiterfahrt!“) und statt wie geplant abends 21 Uhr morgens fünf Uhr zu Hause ankam. Reporterinnenalltag. Trotz aller Strapazen genau mein Ding.
Von der Backmehlfabrik über eine Vorzeigepraxis zu den Tropen
Welche Themen haben mich noch beschäftigt? Der OAZ kam nach drei Wochen unter anderem der Chefredakteur abhanden. Das sorgte für Verunsicherung, bedeutete für mich aber keine Änderung der Zusammenarbeit mit dem Blatt.
Im Backunternehmen Kathi in Halle durfte ich innovative Produkte testen, die nach Ostern den Markt erobern wollen. Ich habe eine DDR-Kinderzimmer-Ausstellung in Senftenberg besichtigt und sächsische Gastronomiebetriebe abseits der Metropolen gefragt, wie sich die Mehrwertsteuersenkung und die Mindestlohnerhöhung auswirken. In der Oberlausitz schaute ich mir an, wie ein Gesundheitsmodellprojekt funktioniert und sprach mit einem Sympathisanten der Freien Sachsen.
Die Chemnitzer Initiatorin eines Frauenfestivals hat mir für DieSachsen.de ihre Motivation erklärt. Eine thematische Herausforderung war die Schwerpunkt-Ausgabe des aktuellen Alumni-Magazins der TU Dresden, denn von internationaler und tropischer Forstwirtschaft hatte ich bis dato wenig Ahnung. Zudem porträtierte ich einen aus Sachsen stammenden Wissenschaftler, der in den USA zu Künstlicher Intelligenz forscht.
Platte mit Einheimischen-Expertise und Filzpantoffeln

Nichts für Schwindlige: Selbsterfahrung in Filzpantoffeln auf Glasboden, umgeben von Plattenbauten. Foto: B.Z./privat
Schön ist, wenn familiäre Verpflichtungen mit beruflicher Recherche in Einklang zu bringen sind. So schenkte ein Besuch der Ausstellung Platte Ost West. Wohnen und Bauen in Großtafelbauweise im Dresdner Stadtmuseum nicht nur gemeinsame Zeit, sondern profitierte von fachkundigen Ergänzungen eines Mittachtzigers. Als jemand, der seine erste 1-Zimmer-Wohnung in einem 17-Geschosser in Dresden-Gorbitz hatte, gab es einige Aha-Erlebnisse. Ich erfuhr, dass der WHH-17-Typ Dresden, ein Wohnhochhaus mit 17 Geschossen, zwischen 1963 und 1984 verwendet wurde, 1- bis 5-Raum-Wohnungen zwischen 30 und ca. 100 Quadratmetern hatte und bis 1984 in Dresden „fast 60 Hochhäuser“ als 15- und 17-Geschosser entstanden. Und ich sah zum ersten Mal ein 2006 kreiertes „Plattenbauhemd“ aus Baumwolle, das im Rahmen einer Kunstaktion als Souvenir aus Dresden-Prohlis gefertigt worden war.
Die Aufzählung ist nicht vollständig. Über in Arbeit befindliche und zukünftige Projekte berichte ich, sobald sie spruchreif sind.
Aufmacher: Dagmar Möbius
Kaum noch Schnee: Abfahrt vom Fichtelberg Ende Februar 2026