Ab jetzt in die Politik?

Gehst Du jetzt in die Politik? Gute Frage. Erstens: nein. Zweitens: ich bin schon dabei. Wie jetzt? Alles ist politisch. Meine Schwerpunktthemen Gesundheit und Soziales sind es sowieso. Im Ehrenamt engagiere ich mich frauenpolitisch und gleichstellungspolitisch – seit Jahrzehnten. Weil es mir wichtig ist. Anfangs war mir nicht klar, wie politisch es ist, sich für Kinderschutz oder für Gründerinnen und Unternehmerinnen einzusetzen.

Journalist*innen machen sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten. Stimmiger Lehrsatz, doch immer öfter wird darüber diskutiert. Beziehe ich nicht schon mit der Wahl meiner Themen Stellung? Natürlich. Ich könnte über Deko, Marmeladekochen und C-Promiklatsch schreiben. Wird gern gelesen, man eckt auch nicht so oft an. Aber ist mir nicht relevant genug.

Informieren, Dinge hinterfragen, auf Missstände aufmerksam machen, ist Aufgabe von Journalist*innen. Das ist unbequem, dauert lange und reich wird man selten. Trotzdem liebe ich den Beruf genau deshalb.

Recherchiert und schreibt man über Nischenthemen, interessiert das nur eine kleine Gruppe Menschen. Für die ist das jeweilige Problem allerdings sehr relevant. Auch wenn es medial meist nicht mal ein Gähnen auslöst. Nicht Jede/r hat die Kraft zu kämpfen, manche auch nicht das Wissen. Der Gemeinschaftssinn geht verloren, alle denken nur noch an sich, höre ich oft. Aber stimmt das? In Sportvereinen, in Kleingartenanlagen, bei der Feuerwehr und in Interessengruppen ist man durchaus füreinander da – weil es einen gemeinsamen Nenner gibt.

Und nun also richtig politisch? Petition und so? Ja. Ich habe eine Petition gestartet, für die seit 11. Juli 2020 abgestimmt werden kann. Es gab sie ähnlich vor über zehn Jahren schon einmal (nicht von mir, ich erfuhr damals nicht mal davon), der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages hat sie klar befürwortet. Passiert ist nichts. Auch das ist Demokratie. Aber wie kann das sein und muss ich das hinnehmen? Ich bin in diesen Fragen nicht unabhängig. Das hat den Vorteil, dass ich genau verstehe, worum es geht. Das hat den Nachteil, dass man mir vorwerfen kann, nicht unabhängig zu sein. Okay. Ich mache mein Engagement transparent. Ich verdiene nichts damit und ich bekleide keine politischen Ämter. Ich gehöre keiner Partei an und ich werde auch weiterhin alle Anfragen, die mich dazu erreichen, ablehnen.

Mein Projekt „Sprechstundenschwester – typisch ostdeutsch“ wird von Tag zu Tag politischer: aus der Versenkung beförderte Dokumente, unliebsame Fragen und Auseinandersetzung mit Befindlichkeiten. Hier reicht Schreiben nicht. Hier braucht es Netzwerke, Öffentlichkeit und Vehemenz. Denn es soll sich etwas ändern, Ignoranz überwunden und im besten Fall Gerechtigkeit hergestellt werden.

Es geht um die Gleichstellung eines DDR-Berufes, für den es in der BRD kein Äquivalent gab. Ergo wurde er im Einigungsvertrag „vergessen“, später geduldet, aber in keiner Weise so behandelt, wie es angemessen wäre. Offiziell anerkannt wird das Examen mittlerweile, aus der öffentlichen Wahrnehmung ist das Berufsbild dennoch so gut wie verschwunden. Betroffene Frauen (Männer sind nicht bekannt) dürfen praktisch medizinische Tätigkeiten nicht ausüben, die sie gelernt haben und beherrschen, werden als Hilfskräfte bezahlt, konnten so gut wie nie aufsteigen und steuern auf die Altersarmut zu.

Ich bin keine Juristin. Kann man überhaupt gleichstellen, was nicht gleich ist? Frauen und Männer sind sehr verschieden, trotzdem sollen sie gleichbehandelt werden – im Sinne von „niemand darf bevorzugt werden“. Behinderte und Nichtbehinderte sollen die gleichen Rechte haben.

Sprechstundenschwestern und Krankenschwestern nach jetziger Gesetzeslage nicht.

Verstehen Sie nicht? Ich auch nicht, deshalb bin ich nicht nur Journalistin, sondern in dieser Sache auch Aktivistin.

Sich bewegen kann Jede/r. Für etwas Konstruktives. Zur Abstimmung geht es hier:

 

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