Superheldinnen am Limit

Das ist das Motto der 31. Brandenburgischen Frauenwoche, die in diesem Jahr vom 4. bis 22. März digital stattfindet. Gemeinsam mit dem Netzwerk „Unternehmerinnen in Oberhavel“ habe ich die Aktion „Heldinnen helfen Heldinnen“ mitorganisiert: mehrere Workshops und Lesungen für Frauen sind geplant. Zwei Lesungen mit Diskussion bestreite ich mit Kulturmanagerin Manuela Röhken: am 6. März 2021 begrüßen wir Christine von Brühl und am 20. März 2021 Mona Krassu. Die Teilnahme an allen Online-Veranstaltungen ist frei, Anmeldungen können über die Website bereits vorgenommen werden.

Warum ich mir dieses ehrenamtliche Engagement wieder aufgehalst habe? Weil das Motto selten so aktuell war wie nach einem Jahr Corona-Pandemie. Weil ich glaube, dass (gerade) auch starke Frauen schnell ans Limit kommen können und sich gemeinsam Blickrichtungen und Herangehensweisen ändern lassen. Weil Frauenpower Spaß macht und wir gemeinsam mehr erreichen. Weil wir nicht warten können, bis irgendetwas besser wird, sondern uns selbst drehen müssen. Weil wir außer Hausarbeit, Kinderbetreuung, Familienmanagement, Pflege und dem eigenen Job auch Anspruch auf Zeit für uns  erheben müssen, um uns auszutauschen, dazuzulernen oder zum Beispiel Kultur zu erleben.

Wie nah ist das Limit?

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergab, dass die Haus- und Familienarbeit in der Corona-Krise zum überwiegenden Teil auf den Schultern der Frauen lastet. 69 Prozent der Frauen gaben an, die generelle Hausarbeit zu erledigen. Nur elf Prozent der Männer behaupten das von sich. Mehr als die Hälfte der Frauen übernimmt die anfallenden Aufgaben von Kinderbetreuung und Homeschooling, bei den Männern sind es nur 13 und 15 Prozent. „Die Koordination der Termine der Kinder, wie beispielsweise Anwesenheit bei Präsenzunterricht rechtzeitige Teilnahme am Unterricht vor dem PC, Teamprojekte oder Arztbesuche, ist den Ergebnissen zufolge ebenfalls mehrheitlich Sache der Frau.“

Die Studie „Traditionelle Rollenverteilung in Corona-Krise belastet die Frauen“ kommt zu dem Schluss, dass die Corona-Pandemie weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht, sondern „sie scheint vielmehr ans Licht zu bringen, dass die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in Deutschland bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen war. Während in normalen Zeiten Kitas, Dienstleister oder Großeltern viele Aufgaben übernehmen, die als traditionell weiblich gelten, fallen in Krisenzeiten diese Arbeiten scheinbar selbstverständlich wieder den Frauen zu.“

Der gerade erschienene Gleichstellungsreport des Landes Brandenburg zeichnet ein ähnliches Bild. Es ist also viel zu tun.

Wirklich Heldin?

Held*innen leisten Außergewöhnliches. Um es klar zu sagen: ich sehe mich nicht als Heldin, nicht mal als Heldin des Alltags. Trotz Mehrfachbelastungen. Zugeschriebene Etiketten wie diese treffen den Kern nicht. Hunderttausende leisten viel, sehr viel und jeden Tag. Superlative sind normal, sie helfen aber nicht. Beifall ist eine Geste, aber kein Änderungsverhalten. Care-Arbeit muss gerechter aufgeteilt werden. Das wäre heldenhaft. Und darüber wollen wir sprechen.

PS: Damit es keine Missverständnisse gibt: Interessierte Menschen aller Geschlechter können an den Veranstaltungen teilnehmen. Wegen der Spezifik werden hier speziell Frauen angesprochen.

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